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Gut gegen Nordwind

Bühnenfassung von Daniel Glattauer und Ulrike Zemme, nach dem Roman von Daniel Glattauer

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Ein einziger falscher Buchstabe lässt Emmi Rothners E-Mail eines Nachts irrtümlich bei Leo Leike landen. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Es beginnt eine nette Internetplauderei. Doch schon bald entsteht eine ganz besondere Beziehung und Anziehung: Es knistert in der Leitung. Und Leos E-Mails, fühlt Emmi, sind gut gegen den Nordwind, der sie nicht schlafen lässt, wenn er bläst.

Verspielt, neugierig, frech und wortgewandt necken sich beide mit kurzen Nachrichten, versuchen jeweils das Gegenüber aus der Reserve zu locken. Da wird spekuliert über das Alter und den Beruf des jeweils anderen, über eventuelle Beziehungen, verheiratet oder noch zu haben, über das Aussehen, die Schuhgröße, den Geschmack. Obwohl keiner großartig etwas über sich verrät, stellen beide umschweifende Vermutungen an, mit wem sie es zu tun haben.

Hin und wieder erzählt jemand etwas aus seinem Leben. Emmi ist verheiratet mit einem älteren Mann, der zwei Kinder mit in die Ehe gebracht hat, Leo, unverheiratet, hat sich kürzlich von seiner Freundin Marlene getrennt, weil sie Nähe wollte (!)

Eigentlich sind sich beide sicher, dass sie sich nicht anderweitig orientieren wollen, doch ein unglaublicher Drang zieht sie immer wieder an den Laptop, um einander näher zu kommen - warum nicht ans Telefon, um sich abzusprechen oder sich persönlich zu begegnen?
Warum suchen sie sich dann doch in einem überfüllten Messecafé, ohne sich zu finden?
Warum ist Emmi so aufgebracht, weil er wieder Zeit mit Marlene verbringt? Oder abends weggeht, ohne ihr zu sagen wohin?

Ist diese Verlustangst nicht eigentlich nur die Angst, einen Spielgefährten zu verlieren?
Sexuelle Bedürfnisse lebt jeder mit sich selbst aus, Cybersex. In alkoholisierten Abendstunden befühlen sie sich selbst, die Kuschelecke ist der Laptop, den sie mit ins Bett nehmen.

Aber wenn die Gefühle doch nicht nur spielerischer und virtueller Natur sind und wenn die Buchstaben auf Dauer nicht ausreichen, wie soll es dann weitergehen?
Was ist mit dem wundervollen Bernhard, Emmis Mann? Und was ist, wenn all ihre hohen Erwartungen mit dem realen Treffen zunichte gemacht werden?

Das Stück geht unter die Haut. Man fühlt mit. Die Eifersucht kriecht in einem genauso böse hoch, wie in Emmi- man fühlt sich genauso verloren, wenn es um die Frage geht: „Wie geht es nun weiter?“

Ulrike Zemme hat mit Daniel Glattauer eine Bühnenfassung seines 2006 erschienenen Bestsellerromans über die Liebe im Zeitalter des Internet erstellt, die seitdem an zahlreichen deutschsprachigen Theatern die Zuschauer in Bann zieht, denn es geht um Gefühle, um Männer und Frauen, um Sex, Träume, Gerüche, Intimitäten, gebrochene Herzen, rasende Eifersucht, die Frage nach der Wirklichkeit und um den Nordwind, der kalt bläst, während im warmen Zimmer die Fantasie uns umarmt…

Sigrid Kropp und Andreas Wenzel sind die Protagonisten dieses modernen Briefromans,
Regie führt Albrecht Stoll.

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